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Leuchten aus Wurzelholz

Leuchten aus Wurzelholz

Nach aufwändiger Behandlung erblickten die fast verfaulten Wurzeln neues Licht.

Der erste Versuch. Das war ein Weihnachtsgeschenk für meine Nichte.

Die zweite hab ich für mich gemacht.

Der dritte Anlauf.

Diese Leuchte war der Wunsch einer guten Bekannten, nachdem Sie an einem Sonntags Anfangs November mehr oder weniger durch Zufall herausbekommen hatte, dass ich wilde Tischleuchten aus Astholz anfertige. Die Wunschvorstellung war dass das Teil etwas größer sein sollte als meine bisher angefertigten Tischleuchten und ganz wichtig, dass das Teil bis Weihnachten fertig wird. Das war schon eine nicht ganz einfach zu lösende Herausforderung, denn zu der Zeit hatte ich nichts passendes herumliegen.

Am darauffolgenden Sonntag war ich auf meiner üblichen Rundtour durch den Wald und wie der Zufall es so will stolperte ich über eine stark vermoderte und mit Moos bewachsene Kieferwurzel. Ich laufe fast jeden Sonntag durch den Wald aber finde nicht allzu oft etwas brauchbares, daher dachte ich mir, die nimmst jetzt mal mit, auch wenn sie von der Größe her nur für eine Tischleuchte reicht. Mit der kleine Kieferwurzel bewaffnet ging ich dann weiter.

Nach weiteren ca. 2 km sah ich am Wegrand einen widerlich aussehenden grauen Haufen irgendwas liegen. Wie gesagt, man findet nicht häufig etwas brauchbares und diesen Dreckhaufen hätte ich normalerweise nicht näher betrachtet. Zu meiner Überraschung ergab eine Trittprobe mit dem Wanderstiefel, dass das Teil nicht gleich zerfällt. Die hat aber Schwein, die Bekannte, dachte ich und zog das Teil aus dem Dreck. Nach der ersten groben Reinigung mit einem Ast für noch immer brauchbar befunden nahm ich auch das Teil mit.

In der einen Hand also die Kieferwurzel und in der anderen Hand einen Dreckhaufen mit Stammansatz, so machte ich mich auf den Weg. Die Holzart ist mir bis heute nicht klar, dem Gewicht nach aber eher Linde als Esche, könnte aber auch eine Erle oder Pappel sein, auf jeden Fall war das Ding voller Ungeziefer und Spinnen, also nichts mit über Schulter und so. Ab nach Hause dachte ich, sind ja nur noch ca. 3 km Fußweg. Ich kann euch sagen, das Ding war zwar nicht schwer aber ich musste trotzdem alle ca. 200m einen Armwechsel durchführen. Zu Hause angekommen waren meine Arme bestimmt 5cm länger.

Nach einer ausgiebigen Reinigung mit Wasser, trocknen, abfackeln mit dem Gasbrenner, bürsten mit Winkelschleifer und vielen vielen Stunden Schleifen und nochmals Schleifen mit Multitool und vor allem von Hand kam so langsam die wahre Schönheit zu Tage. Zwar noch immer Mausgrau, aber dagegen gibt es ja Beize und Lack. Am Ende sah das Teil dann so wie auf den Fotos oben aus.

Bis kurz vor Weihnachten war nicht klar ob ich das Ding fertig bekomme und habe daher der Bekannten nichts weiteres dazu gesagt. Erst 1 Woche vor Weihnachten teilte ich Ihr mit dass es doch noch klappt. Gesehen hat Sie die Lampe aber erst 2 Tage vor Weihnachten, wieder an einem Sonntag. Die Überraschung war riesig so wie ihre Augen, als sie die Lampe entgegen nahm.

So und nun steht mein Baby bei der Bekannten und ich kann nur hoffen, dass Sie diese genau so liebevoll behandelt wie ich. Eine schöne Glühbirne hat Sie ja bereits erhalten.

Die zweite Wurzel, die Kieferwurzel, die liegt noch immer herum und wartet auf ein zweites Leben als Tischleuchte.